Illegale Kabotage: Ein wachsendes Problem im deutschen Transportgewerbe
Illegale Kabotage sorgt im deutschen Güterverkehr zunehmend für Ärger. Zwar gibt es keine flächendeckenden Statistiken über das Ausmaß der Verstöße, doch die Kontrollergebnisse des Bundesamts für Logistik und Mobilität (BALM) deuten auf eine wachsende Problematik hin. Für viele deutsche Spediteure ist die illegale Kabotage längst ein wirtschaftlicher Risikofaktor, der zur Preisspirale nach unten beiträgt.
Deutschland als Kabotage-Hotspot in Europa
Laut Eurostat entfielen 2023 rund 10,5 % der innerdeutschen Transporte auf Kabotage. Über 54 % aller Kabotagefahrten in der EU finden auf deutschem Boden statt – mehr als in jedem anderen Mitgliedsstaat. Branchenvertreter wie Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL, sehen eine klare Entwicklung: „Immer mehr Mitgliedsunternehmen melden Verdachtsfälle auf illegale Kabotage“, sagt er. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nehmen die Beschwerden aus der Branche zu.
BALM-Kontrollen zeigen steigende Verstöße
Die Zahlen des BALM belegen den Trend: 2024 wurden 15.475 Fahrzeuge kontrolliert, 639 davon beanstandet – eine Quote von 4,13 %, gegenüber 3,1 % im Jahr 2022. Dabei wurden im Schnitt 1,7 Verstöße pro beanstandetem Fahrzeug festgestellt. Insgesamt kassierte das Amt 1,67 Millionen Euro an Sicherheitsleistungen – ein Plus von 15 % gegenüber dem Vorjahr.
Ein häufiger Kritikpunkt ist die mangelnde Zusammenarbeit zwischen BALM, Zoll und Polizei. Die Zuständigkeiten sind aufgeteilt – das BALM kontrolliert Kabotage, der Zoll den Mindestlohn. Dabei sind diese Bereiche eng miteinander verknüpft. Branchenvertreter fordern eine stärkere Vernetzung der Behörden.
Ein großer Kritikpunkt von Branchenvertretern wie Prof. Dr. Dirk Engelhardt (Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.) ist die mangelnde Zusammenarbeit der Kontrollorgane: BALM, Zoll und Polizei agieren weitgehend unabhängig voneinander, obwohl Kabotageverstöße und Mindestlohnvergehen oft miteinander verknüpft sind.
Vernetzung und digitale Lösungen gefordert
BALM-Präsident Christian Hoffmann spricht sich für einen behördenübergreifenden „Verdachtspool“ aus, der den Informationsaustausch erleichtert. Auch eine EU-weite Datenbank, die Grenzübertritte von Lkw erfasst, wäre hilfreich. So könnten Fahrzeuge, die sich verdächtig lange in Deutschland aufhalten, schneller überprüft werden.
Zudem wäre eine konsequentere Nutzung des Binnenmarktinformationssystems (IMI) sinnvoll. Zwar müssen ausländische Unternehmen die Entsendung ihrer Fahrer über das IMI melden, doch wird das System vom BALM kaum zur Kabotagekontrolle genutzt. Stattdessen liegt die Verantwortung für diese Daten beim Zoll – ein Problem für eine ganzheitliche Kontrolle.
Kabotage-Verstöße gezielter verfolgen
2023 kontrollierte das BALM im Rahmen gezielter Maßnahmen 58.042 Fahrzeuge. 3.052 wurden beanstandet – eine Quote von 5,25 %, deutlich über dem Wert der allgemeinen Schwerpunktkontrollen. Bei konkreten Verdachtsmomenten folgen umfangreiche Betriebskontrollen. Rund 220 dieser Prüfungen führt das BALM jährlich durch, mit etwa 80.000 überprüften Transporten. 20–25 % davon enden mit Beanstandungen, 10 % davon aufgrund von Kabotageverstößen. Die Strafen summieren sich auf bis zu zwei Millionen Euro jährlich.
Digitale Kontrollstellen als Hoffnungsträger
Für die Zukunft setzt das BALM auf Technik: Bis 2028 sollen 16 digitale Gewichtskontrollstellen an Autobahnrastplätzen entstehen. Diese dienen primär der Überwachung von Überladungen, sollen aber auch Kabotageverstößen auf die Spur kommen. Die erste Anlage geht im Oktober 2025 in Betrieb.
Fazit: Illegale Kabotage bleibt eine Herausforderung
Illegale Kabotage ist ein ernstes Problem für den deutschen Transportmarkt. Steigende Kontrollzahlen und zunehmende Beanstandungen zeigen: Das Thema wird größer. Um faire Wettbewerbsbedingungen zu sichern, sind engere Kooperationen der Behörden, digitale Lösungen und klarer politischer Wille notwendig.